Dieser Jemand

Vor ein paar Tagen hat jemand etwas zu mir gesagt, das mich erst betroffen und dann sehr nachdenklich gemacht hat. Es war nicht irgendein Jemand, es war ein sehr besonderer Jemand. Mein besonderer Jemand. Der eine, den wir alle haben. Er sagte zu mir, er habe das Gefühl, alles würde ihm irgendwann einfach egal werden. Alles und Jeder. Er fragte mich ob ihn das zu einem schlechten Menschen mache. Er ist so ziemlich das genaue Gegenteil eines schlechten Menschen, also antwortete ich wahrheitsgemäß mit nein. Ich war mir in dem Moment sicher, er wäre nur wieder einmal einer völlig falschen Selbstwahrnehmung erlegen und versuchte ihm Beispiele von Menschen zu nennen, von denen ich überzeugt war, sie würden ihm vermutlich für immer unglaublich viel bedeuten. Doch er zweifelte weiter, bezweifelte, dass er lange diese Art von Gefühlen für sie hegen könne. Ich fragte ihn, ob es denn wirklich keinen Menschen geben würde, von dem er sich vorstellen könnte, dass er ihm wirklich lange etwas bedeutet. In diesem Moment stockte ich. War ich denn im Endeffekt anders? Wen hatte ich denn, der mir wirklich viel bedeutete und von dem ich sicher war, dass das so bleiben könnte? Ich habe meine Familie hinter mir gelassen, ich hätte niemals geglaubt, dass ich eine derartige Distanz zu meinen Geschwistern entwickeln könnte. Ich hätte nie geglaubt, dass ich es irgendwann fertig bringe, meiner Mutter an irgendwas Schuld zu geben, und inzwischen bin ich oft nahe dran sie zu hassen. Ich wäre nicht in der Lage zu weinen, wenn mein Vater sterben würde. Im Gegenteil, ich habe Angst, eine krankhafte Art von Genugtuung zu empfinden. Ich hätte nie geglaubt, dass ich die ganzen Menschen von damals wirklich hinter mir lassen könnte. Egal wie taub ich damals zeitweise war, ich war schon immer die Art Mensch, die sich an Liebe und Zuneigung klammert, weil ich es brauche und gleichzeitig nie wirklich gekannt habe. Selbst Matthias...er verblasst. Ich bin endgültig in der letzten Trauerphase angekommen, ich habe jedem möglichen Menschen die Schuld an seinem Tod gegeben, ich habe ihm selbst Vorwürfe gemacht, ich habe völlig über ihn geschwiegen, nicht einmal seinen Namen ausgesprochen bis alles aus mir herausgebrochen ist. Ich erinnere mich an immer weniger, manchmal kaum noch an seine Stimme. Und er ist nicht der einzige. Auch wenn ich in die Gegenwart sehe: es gibt viele Menschen, die ich im Augenblick wirklich sehr gerne habe, doch wen ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass ich sie noch mehr als maximal einige Jahre mit mir tragen werde, und selbst wenn, werden sie mir irgendwann immer weniger bedeuten, ich werde sie gleichgültiger und seltener sehen und irgendwann werden sie verblassen. Nicht weil sie sich verändern oder ich mich verändere, das kann natürlich passieren, aber das wird nicht der Grund sein. SO scheine ich einfach zu sein. Ich vergesse Menschen, ich lasse sie gehen und ich bin so unglaublich kalt dieser Tatsache gegenüber. Es tut mir nicht mal wirklich weh wenn ich darüber nachdenke, es lässt mich nur ein wenig melancholisch und nachdenklich werden. Wenn ich so bin, wie kann ich dann von anderen erwarten, bei mir zu bleiben, dass ich ihnen wirklich wichtig bleibe? Es gibt nur einen einzigen Menschen, bei dem ich, wenn ich über ihn nachdenke, weiß, dass sich meine Gefühle wie sie jetzt sind, niemals mindern werden, höchstens noch vertiefen. Das ist er. Und in dem Moment, in dem ich bei dieser Erkenntnis angelangt war, antwortete er mir mit einem einzelnen Wort: Du. Ich weiß nicht genau, wie ich beschreiben soll, was ich in diesem Augenblick empfunden habe. Es war irgendwas zwischen einem Schlag in den Magen, Ungläubigkeit und einer Welle von Zuneigung, die mir beinahe die Tränen in die Augen getrieben hat. Wie kann ein so unglaublicher, wunderschöner Mensch, der mir gerade gebeichtet hat, dass er seine Beziehungsfähigkeit grundlegend anzweifelt und damit darin beinahe so schlecht wie ich zu sein glaubt, tatsächlich solche Gefühle für mich entwickeln? Ich wollte etwas sagen, aber meine Zunge wollte nicht gehorchen. Ich umarmte ihn einfach nur. Und ich weiß, dass was ich in dem Moment, in dem er der Kopf zu mir drehte und mir in die Augen sah, mit diesem ernsten, aufrichtigen Blick, den er immer hat, wenn es ihm wichtig ist, dass ich ihm etwas glaube. Ich liebe diesen Blick. Aber er bedeutet, dass ich versuchen muss, zu akzeptieren, dass ich ihm tatsächlich wenigstens annähernd so viel bedeute, wie er mir. Und das ist etwas, das ich immer als völlig unmöglich abgestempelt habe. Ich bedeute ihm etwas, ja. Das weiß ich. Aber für diesen Jungen, diesen Mann würde ich töten, sterben und leben. Was auch immer er von mir braucht oder verlangt. Und das ist etwas, das ich so noch für niemanden empfunden habe und von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es jemandem jemals so mit mir gehen könnte, allein schon weil es sich gar nicht lohnt. Ich könnte es niemals gut genug zurückgeben. Alles, was mir bleibt, ist unglaublich dankbar für ihn und die Zeit die er mir gibt, zu sein. So lange er mich in seinem Leben will, werde ich immer da sein und alles tun was ich kann um ihn glücklich zu sehen. Denn er ist der Mensch, von dem ich mir sicher bin, dass er mir für immer und ewig mehr bedeuten wird, als ich mir je vorstellen konnte.

8.7.15 17:04, kommentieren

Entscheidungen

Entscheidungen sind wahrscheinlich die größten Feinde in meinem Leben. Ich habe mich damit nie leicht getan und inzwischen ist es einfach nur noch immer schlimmer geworden. In den letzten zwei Jahren meines Lebens bin ich inzwischen wiederholt mit gravierenden Entscheidungen konfrontiert worden. Ehrlich gesagt haben die mich ziemlich überfordert und ich bin überzeugt, dass ich die meisten meiner Entscheidungen falsch getroffen habe, was sich teilweise auch bereits schon gezeigt hat. Beispielsweise hatte ich nach der Klinik die Entscheidung zu treffen, ob ich meine bestehende Beurlaubung aufrecht erhalten soll oder nicht. Im Endeffekt habe ich mich nur dafür entschieden sie aufzuheben, weil ich Panik bekommen habe, mir der Druck zu viel wurde und ich mich dermaßen vor einem neuen Jahrgang, in dem auch meine Schwester sein würde, gefürchtet habe. Jetzt habe ich viel zu früh aufgegeben, versucht möglichst nicht an die Konsequenzen zu denken und habe mir mein Abitur an dieser Schule an der ich endlich so gut angekommen bin und an der ich mich wirklich wohl fühle, praktisch schon komplett verbaut. Und jetzt habe ich die Chance mein Abitur an einer völlig neuen Schule zu schaffen, bei der ich dann direkt auch eine Ausbildung zur Erzieherin habe: aber will ich das? Kann ich das? Erstens muss ich mir dann eigentlich sicher sein, dass ich diese Richtung wirklich beibehalten will und zweitens stehe ich so noch viel extremer vor einem völligen Neuanfang. Und dieser Aspekt, den viele rational gesehen als großen Vorteil sehen, macht mir einfach nur unglaubliche Angst. Mehr als ihr euch vorstellen könnt. Mir ist sofort nach heulen, mir wird schlecht, alles in mir krampft sich zusammen, ich kann nicht richtig denken, und das alles nur, weil es zuvor so dermaßen schrecklich war. Und ich weiß, das es genauso noch einmal werden kann. Niemand wird bei mir sein und daher werde ich mich aus einem Panikreflex heraus erstmal völlig zurückziehen. Womit ich bereits verloren habe. Diese Phase am Anfang wird man nicht mehr los. Und ich kann nicht wieder diese Person sein. Was wenn ich meinem gesamten Leben einfach noch nicht gewachsen bin? Wieso kann man niemals vor etwas weglaufen? Ich weiß, dass es für mich praktisch unmöglich ist, mein Abitur in diesem einen Jahr noch herumzureißen, aber ich wünschte es ginge irgendwie. Noch eine Sache ist: wenn ich die Leute nicht mehr regelmäßig in der Schule sehe, werde ich sie alle verliere. Jeden einzelnen. Das macht mich irgendwie wehmütig, zumal ich es nicht schaffe mir einzureden, dass ich noch einmal solche Freunde finde. Natürlich wird es nicht wirklich schwer für sie mich gehen zu lassen und im Endeffekt werden sie auch für mich nach kurzer Enttäuschung einfach verblassen, ich wünschte einfach nur, ich könnte das irgendwie vermeiden. Dass das dumm ist, weiß ich selbst. Es ist, wie die Zeit anhalten zu wollen. Ein alberner Kinderwunsch, der sich dennoch gerade tief in mein Herz brennt. Spark

8.7.15 19:35, kommentieren