Insomniac

Schlaflosigkeit kann zu etwas unerträglichem werden. Ich habe seit mehr als einer Woche nur noch stundenweise geschlafen und es ist die letzten Tage immer schlimmer geworden. Ich habe gestern von vier bis kurz vor sechs geschlafen und das nach beinahe 48 Stunden völlig ohne Schlaf. Mein Körper signalisiert mir langsam Notstand. Ich spüre, dass ich mich langsamer bewege, meine Reflexe und Koordinationsfähigkeit überproportional nachlassen und meine Konzentrationsspanne auf ein absolutes Minimum gesunken ist. Meine Augen brennen, ich habe erhöhten Flüssigkeits- und Nahrungsbedarf, den ich nicht ausreichend decke. Ich merke mit jeder Stunde, die ich wach bin, wie die Schlaflosigkeit an meinem ohnehin fragilen Nervenkostüm zehrt. Erstens nehme ich wieder paranoide Züge an, sehe Schatten wenn ich kurz vor der völligen Erschöpfung bin, werde je länger ich insbesondere Nachts allein bin, empfindlicher gegen Sinneseindrücke, irgendwie ist irgendetwas immer zu extrem. Mir ist durchgehend kalt, selbst wenn ich schwitze. Ich sehe immer wieder auf die Uhr oder auf mein Handy, aber die Zeit scheint kaum zu vergehen. Es fällt mir schwer in den Spiegel zu sehen, weil ich neben dem, was ich dort ohnehin immer so verabscheue, völlige Erschöpfung sehe, die ich kaum noch zu überspielen vermag, genau wie Augenringe, die sich immer tiefer unter meine unteren Wimpernkränze graben. Es fällt mir sogar hier schwer den Faden zu behalten, meine Gedanken sind unkoordiniert und ziellos, in diesem Zustand werde ich extrem anfällig für Gedankenkreise. Ich weine stundenlang, was meine Erschöpfung noch um ein vielfaches steigert. Oft erreiche ich ein problematisch aggressives Level, wenn ich nicht mehr weiß wie ich mit der psychischen Erschöpfung umgehen soll. Ich habe häufig das Problem, dass ich tatsächlich Angst habe einzuschlafen, aber diesmal ist es wieder einfach nur dass mich irgendein Teil meiner Psyche nicht schlafen lassen will, ohne dass ich absurd widerliche Albträume fürchte. Ich mache mich selbst fertig und nehme dieses Gefühlschaos mit in den nächsten Tag, ohne die Chance mich irgendwie davon zu erholen. Die Zeit kriecht wie altes Kaugummi. Ich habe das Gefühl ich denke unglaublich langsam, und trotzdem denke ich zu viel. Ich zerdenke alles, was ich am vorangegangenen Tag gesagt, getan oder gedacht habe, und wen das nicht reicht, greift mein Verstand auf gefühlt alles zurück, an das ich mich erinnern kann, nur um mich damit fertig zu machen. Zu Beginn solcher depressiv-schlaflosen Phasen, versuche ich mich möglichst viel zu beschäftigen, mich abzulenken und einen angenehmen Zustand hervorzurufen, in dem ich einschlafen kann, so wie üblich. Doch wenn beide Phasen wie jetzt gleichzeitig aufeinander treffen, funktioniert diese Methode nicht. Selbst wenn ich glaube, einen ausreichenden Zustand erreicht zu haben, bin ich nicht in der Lage tatsächlich in einen Schlaf zu kommen, der länger als maximal eine Stunde dauert und häufig scheint mich das noch mehr zu erschöpfen als gar nicht zu schlafen. Ich versuche so viel wie möglich zu machen um irgendwie Abwechslung und Ablenkung zu schaffen, aber auf Dauer ist das wirklich schwierig, insbesondere in den Zeiträumen in denen normale Menschen schlafen. Ich mag es auch nicht, wenn zu viele Menschen mitbekommen, wie schlimm es tatsächlich mit dieser Sache ist, weshalb ich absichtlich mein Handy zu bestimmten Uhrzeiten nicht bei mir habe, was auch etwas weniger Ablenkung bedeutet. Oft halte ich es nichtmal in einem geschlossenen Raum auf und irre stundenlang draußen durch die Gegend bis ich zu erschöpft dafür bin und entweder nach Hause gehe oder mich irgendwo hinsetze oder hinlege. Das Wort Erschöpfung kommt mir in diesem Zusammenhang geradezu lästig oft über die Lippen, aber genau das beschreibt es vielleicht am besten. Im Endeffekt ist man einfach nur noch völlig fertig, am Ende, unglaublich müde. Zu erschöpft um irgendeinem Hobby und sei es nur lesen oder malen vernünftig nachzugehen, oft kann ich mich nichtmal auf irgendein Fernsehprogramm konzentrieren und ende mit dem Blick starr auf einen Punkt irgendwo neben dem Fernseher gerichtet und liefere mich meinen Gedanken aus, schlichtweg zu erschöpft um mich überhaupt noch wirklich dafür zu interessieren. Dann hasse ich mich halt, wen juckts? Mich grade absolut gar nicht. Selber schuld. Dazu kommen oft starke Kopfschmerzen aus rein physischer Überforderung. Ich weiß nicht mehr was ich gerade noch schreiben soll und das Tippen wird immer anstrengender, ich muss immer häufiger korrigieren und es dauert immer länger. Ich bete zu Gott, dass ich endlich mal wieder mehr als knapp zwei Stunden schlafe. Ich kann wirklich nicht mehr. Manchmal bin ich nicht mal mehr sicher ob ich einfach schlaflos bin oder wahnsinnig werde. Ab wann ist das dasselbe? Spark

13.7.15 04:11, kommentieren

Genug

Ich kann langsam nicht mehr. Alles wird immer anstrengender, bis zu einem Punkt der völligen Überforderung. Überfordert von gar nichts. Taubheit füllt etwas in mir,auch wenn es nicht mehr alles in mir ist. Eine dumpfe Art von Schmerz, den man nicht richtig zu fühlen vermag, füllt den Rest. Ich habe andauernd einen Kloß im Hals und sobald ich eine Sekunde nicht aufpasse, treten mir die Tränen in die Augen. Ich fühle mich, als würde ich Wasser atmen, als wäre der Sauerstoff in der Luft Zement und das Gewicht müsste mich schlichtweg erdrücken. Ich hasse mich. Ich bin müde und das in mehr als einer Weise. Ich habe das Gefühl, ich könnte das alles bald nicht mehr aushalten. Ich brauche eine Auszeit, einen kurzen Moment um loszulassen. Ich brauche Schlaf. Ich will mich sicher fühlen. Zu Hause. Aber jetzt grade muss ich einfach nur atmen. Atmen und warten, dass die Stunden, Minuten, Sekunden endlich an mir vorbeiziehen und enden. Ich habe immer Angst vor der Zukunft und das Gefühl, die Zeit würde viel zu schnell, wie feiner Sand durch meine Finger rinnen, aber gerade jetzt wünschte ich einfach nur ich könnte die nächsten sechs Stunden überspringen. So wie es jeder normale Mensch tut. Im Schlaf. Dumm gelaufen. Spark

14.7.15 01:43, kommentieren